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Die Geburtsphasen
Von der Eröffnungsphase bis zur Nachgeburtsphase

Jede Geburt läuft in drei verschiedenen Phase ab: Die Eröffnungs-, die Austreibungs- und die Nachgeburtsphase. In der Eröffnungsphase öffnet sich, wie der Name schon sagt, der Muttermund, die eigentliche Geburt erfolgt in der Austreibungsphase, in der letzten Phase, der Nachgeburtsphase, wird die Plazenta, also der Mutterkuchen, ausgestoßen und die Mutter versorgt.

Einleitung der Geburt
Spätestens wenn die Schwangerschaft bereits länger als die normalen 40 Wochen dauert und noch keine Anzeichen von ersten Wehen zu verspüren sind, werden Sie und Ihr Arzt/Ihre Ärztin sich überlegen, wie weiter vorgegangen wird.
Wenn alles in Ordnung ist, kann bis ungefähr 10 Tage nach dem errechneten Geburtstermin abgewartet werden. Sollten Sie jedoch unter zu hohem Blutdruck, Diabetes oder einer Herzerkrankung leiden, sollte es erste Anzeichen geben, dass Ihr Kind durch die Plazenta nicht mehr ausreichend versorgt ist, oder aber im Gegensatz dazu bereits zu groß werden könnte, so wird die Geburt eingeleitet.

Die Einleitung kann auf verschiedene Weisen erfolgen:

Die Blasensprengung
Wenn die Fruchtblase vorzeitig springt, folgt in den allermeisten Fällen binnen maximal 48 Stunden die Geburt. Bei einer künstlichen Blasen
sprengung, bei der der Arzt die Blase mit einem kleinen Häkchen öffnet, stellt sich dieser Effekt fast immer ein. In besonders hartnäckigen Fällen wird weiter medikamentös eingeleitet:

Oxytocin
Oxytocin ist ein natürliches, körpereigenes Hormon, das die Uteruskontraktionen anregt. Eine synthetische Form dieses Hormons wird bei leicht geöffnetem Muttermund zur Geburtseinleitung benutzt. Zumeist wird es als Dauertropfinfusion verabreicht. Die Dosierung kann der Stärke der Wehen angepasst werden.

Prostaglandine
Bei noch geschlossenem Muttermund wird diese, ebenfalls geburtseinleitende hormonähnliche Substanz, in Form eines Pessars oder als Gel verabreicht und somit die Öffnung des Muttermundes vorangetrieben.

1. Die Eröffnungsphase
Die Eröffnungsphase ist die längste der drei Phasen. Sie dauert vom ersten Einsetzen der Wehen bis zur vollständigen Öffnung des Muttermundes auf ca. 10 cm. Eine längere Eröffnungsphase ermöglicht es Ihnen, sich langsam auf den steigenden Schmerz der Wehen einzustellen und damit besser zurechtzukommen.
Die Wehen sind jetzt ca. 30-60 Sekunden lang und kommen in Abständen von 5 bis maximal 20 Minuten. Jede Frau empfindet den Wehenschmerz anders, zu Beginn fühlt es sich meist wie Regelschmerzen an. Während der ganz aktiven Phase dauern die Wehen durchschnittlich 60-90 Sekunden und kommen alle 2-4 Minuten. Meistens springt in dieser Phase auch die Fruchtblase.
Die Erweiterung des Muttermundes wird in Zentimetern bzw. Fingerbreiten gemessen. Am Ende ist der Muttermund auf ca. 10 cm ausgedehnt und „verschmilzt" mit dem Uterus zu einem fortlaufenden Geburtskanal.
Versuchen Sie, sich bereits in dieser ersten Phase ganz dem Geburtsvorgang hinzugeben und keinesfalls gegenzusteuern. In den meisten Fällen hilft es, wenn Sie in Bewegung sind: hin- und hergehen, Stiegen steigen. Manche Frauen wollen jedoch nur sitzen, knien oder liegen. Alles ist okay, solange Sie sich damit gut fühlen und die Geburt voranschreitet. Sie haben im Stehen wahrscheinlich eher das Gefühl, das Geschehen mit beeinflussen zu können und nicht nur „hilflos ausgeliefert" zu sein. Sie können das Becken kreisen lassen, atmen, sich bewegen.
Hier ist Ihr Partner oder auch eine andere Begleitperson eine besonders wertvolle Hilfe. Sie haben dann jemanden an Ihrer Seite, auf den Sie sich stützen können, der Sie hält, Ihnen Mut zuspricht. Sie können sich so auch besser fallen lassen. Vielleicht haben Sie in einem Geburtsvorbereitungskurs gelernt, wie Ihr Partner Ihnen durch Massagen helfen kann: Intensiver Druck auf das Kreuz- bzw. Steißbein oder aber Kneten und Auflockern des Pos sind zumeist eine große Erleichterung.

Die Übergangsperiode
Dieser letzte Teil der Eröffnungsphase, die letzten Zenti- bzw. Millimeter, sind für viele Frauen besonders schwierig: Bis jetzt haben die Wehen einen Wellencharakter gehabt, das heißt, sie haben eher schwach begonnen, sind dann stärker geworden und wieder abgeflaut. Jetzt können sie mitunter mehrere Höhepunkte haben oder auch gleich bleibend stark erlebt werden. Trösten Sie sich mit dem Gedanken, dass diese Phase selten länger als eine halbe Stunde dauert, oft nur wenige Minuten. Besonders schwer fällt jetzt das Atmen, stöhnen Sie laut, schreien Sie, weinen Sie - was immer Ihnen jetzt Erleichterung verschafft, ist in Ordnung. Orientieren Sie sich an der Hebamme, die Ihnen ruhig voratmen wird oder auch an Ihrem Partner.
Die Hebamme wird Ihnen vermutlich auch vorschlagen, die Position zu wechseln. Probieren Sie es: Vielleicht hilft Ihnen eine Hocke, ein Vierfüßlerstand oder ein einfaches Aufstehen. Manchmal ist auch Wärme, z.B. durch einen Thermophor, sehr dienlich.
Wahrscheinlich verspüren Sie bereits das Bedürfnis mitzupressen, was Sie in dieser Geburtsphase jedoch nicht sollten, da der Muttermund noch nicht vollständig geöffnet ist. Den längsten Teil der Geburt haben Sie jetzt schon hinter sich!

2. Die Austreibungsphase
Ist der Muttermund zur Gänze geöffnet oder auch „verstrichen", wie Ärzte und Hebammen sagen, so beginnt die eigentliche Geburtsphase, die Austreibungsphase. Sie dauert durchschnittlich ca. 60 Minuten, manchmal bedeutend kürzer, ganz selten auch länger. Jetzt ist für viele Frauen der Moment der „Erleichterung" gekommen: Endlich darf gepresst werden! Allein das Gefühl, aktiv etwas für die Beschleunigung des Geburtsvorganges tun zu können, verleiht völlig neue Kraft.
Mit den nach wie vor stärker werdenden Wehen schiebt sich der Kopf Ihres Kindes immer weiter nach unten. Das Baby muss den Kopf öfters drehen und wenden, es schraubt sich durch das Becken und kommt in den meisten Fällen mit dem Gesicht nach hinten am Beckenausgang an. Sie werden Harn- und Stuhldrang verspüren, in Wahrheit ist es aber bereits der Kopf des Babys in Ihrem Becken. Ein oftmaliges Wechseln der Position, also z.B. vom Liegen ins Hocken, vom Hocken ins Stehen und wieder ins Liegen kann Ihnen weiterhelfen. Versuchen Sie, jede Wehe gut zu beatmen, folgen Sie den Anleitungen Ihres Geburtsteams, Ihrer Hebamme und Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt.
Die Hebamme wird sich jetzt darum bemühen, die Geburt des Kopfes so langsam wie möglich zu gestalten und mittels Dammschutz einen Riss des Dammes so gut wie möglich zu verhindern.
Sollte es bei der Geburt des Kopfes Probleme geben oder aber eine Gefahr eines Dammrisses bestehen, so wird Ihre Ärztin/Ihr Arzt einen Dammschnitt (Episiotomie) durchführen. Ein Schnitt verheilt meistens schneller, besser und schöner als ein Riss, daher diese Maßnahme. Meistens wird dieser Schnitt am Höhepunkt einer Presswehe gesetzt, sodass die Frau diesen Schnittschmerz nicht spürt. Die Wunde wird nach abgeschlossener Geburt unter lokaler Betäubung der Mutter genäht. Es gibt unzählige Horrorgeschichten über den Dammschnitt. Früher wurde tatsächlich fast jede Frau geschnitten - heutzutage versuchen die Ärzte nur mehr in bestimmten Krisensituationen einen Schnitt zu machen.
Bald schon werden Sie spüren, dass es zuerst der Kopf, dann die Schultern und dann der ganze Körper Ihres Babys geschafft hat! Sie hören die ersten Schreie, die die selbstständige Lungenatmung erst in Gang setzen. Ganz fest in ein Handtuch eingewickelt, wird Ihnen die Hebamme das Baby auf den Bauch legen.
Sobald die Nabelschnur aufgehört hat zu pulsieren, wird sie abgeklemmt und, möglicherweise vom Vater, durchtrennt.

3. Die Nachgeburtsphase
Knapp nach der Geburt löst sich der Mutterkuchen, die Plazenta, und wird mittels Nachgeburtswehen ausgestoßen. Sie werden wieder das Gefühl haben, pressen zu müssen, da die Plazenta, nachdem sie sich von der Gebärmutter gelöst hat, gegen den Beckenboden drückt. Durch ein leichtes Ziehen an der Nabelschnur kann die Austreibung beschleunigt werden. Nach erfolgter Nachgeburt wird die Plazenta gewogen und auf ihre Vollständigkeit geprüft.
Sollten Sie einen Dammriss haben oder aber ein Dammschnitt erforderlich gewesen sein, so wird jetzt genäht. Anschließend wird Ihre Ärztin/Ihr Arzt nochmals die Geburtskanäle überprüfen und auf das fortlaufende Zusammenziehen Ihrer Gebärmutter achten: Auch wenn Sie es zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich nicht spüren, die Gebärmutter wird bereits jetzt wieder laufend kleiner, Ihr Bauch ebenfalls!

Der Kaiserschnitt (Sectio caesarea)
War der Kaiserschnitt früher, vor allem durch die Vollnarkose, eine sowohl für Mutter als auch für Kind nicht ganz risikofreie Art der Geburt, so hat sich das in den letzten Jahren durch Einführen der Periduralanästhesie (Kreuzstich) stark geändert. Mit dieser Art der Schmerzbetäubung ist die Mutter während der gesamten Operation bei vollem Bewusstsein, das Kind ist von der Anästhesie nicht berührt.

Wann wird in jedem Fall per Kaiserschnitt entbunden:
• starkes Schädel-Becken-Missverhältnis
• Querlage des Kindes
• Placenta Praevia
• Vorzeitige Lösung des Mutterkuchens
In anderen Fällen, wie z.B. Mehrlingsschwangerschaften oder Steißlage, ist es im Ermessen der Mutter, die nach ausführlicher Absprache mit Ihrem Arzt entscheiden muss, welche Art der Geburt sie wählt bzw. welches Risiko sie zu tragen bereit ist.
Egal, ob Sie per Kaiserschnitt entbinden müssen oder aber auch wollen: Lassen Sie sich auf keinen Fall und von absolut niemandem einreden, dass Sie um das Geburtserlebnis gekommen sind, dass Ihnen ein wesentlicher Teil vom Frausein fehlt, dass Sie wider die Natur gehandelt hätten, dass Kinder mit Schmerzen auf die Welt kommen müssten:
Sie haben das Kind durch die gesamte Schwangerschaft getragen. Sie sind die Mutter, einzig und allein in Ihrem Körper ist neues Leben entstanden. Wie das Kind letztendlich auf die Welt gekommen ist, ist sowohl für das Frau- als auch für das Mutterdasein komplett unerheblich.

So wird Ihr Kind vom Arzt „geholt
Der Ablauf eines Kaiserschnittes, der vor Beginn der eigentlichen Wehen durchgeführt wird („Geplanter Kaiserschnitt oder Primäre Sectio"):
Bevor Sie in den OP gebracht werden, wird man Ihnen einen Einlauf sowie eine Schamhaarrasur verabreichen. Weiters bekommen Sie eine Infusion, die Sie mit Flüssigkeit versorgt, evtl. auch ein kreislaufstabilisierendes Mittel. Danach wird ein Katheter gesetzt.
Im OP erhalten Sie eine Periduralanästhesie (siehe auch Schmerzlinderung) sowie einen Sichtschutz vor Ihrem Gesicht. Je nach Wahl Ihrer Klinik kann Ihr Partner im OP anwesend sein und Ihnen während des Eingriffes zur Seite stehen. Nachdem Ihr Bauch mit Desinfektionsmitteln gereinigt wurde, erfolgt der Schnitt im Bereich der Schamhaargrenze („Bikinischnitt"), der zunächst die einzelnen Bauchschichten, dann die Gebärmutter öffnet. Sollte dies nicht bereits vorher der Fall gewesen sein, wird bei Öffnung der Gebärmutter auch die Fruchtblase gesprengt. Dann hebt die Ärztin/der Arzt bereits das Kind aus der Gebärmutter. Es wird abgesaut, abgenabelt und der Hebamme übergeben. Immer anwesend ist neben der Hebamme und dem Frauenarzt ein Anästhesist sowie ein Kinderarzt. Nach der Geburt wird der Mutterkuchen gelöst, die Gebärmutterhöhle sowie die Bauchschichten ver
schlossen. Der ganze Vorgang dauert in etwa eine Stunde. Die Narbe wird später unter der Schambehaarung kaum mehr zu sehen sein.

Wenn es sich um einen „Notkaiserschnitt oder sekundäre Sectio" handelt, so gilt zwar der oben beschriebene Operationsablauf, es werden jedoch nur die notwendigsten Vorkehrungen getroffen. Weiters kann es zwecks Vereinfachung und vor allem Verkürzung der Narkosewirkung zu einer Vollnarkose kommen. Immer wieder wird die Frage gestellt, welche Komplikationen ein Kaiserschnitt mit sich bringen kann. Grundsätzlich gilt: Der Kaiserschnitt ist eine Operation mit allen Risken eines chirurgischen Eingriffes.
Tatsache ist aber, dass gerade in den letzten Jahrzehnten dank des medizinischen Fortschrittes nahezu keine Komplikationen auftreten und dass die Kaiserschnittmütter die Eingriffe hervorragend überstehen. Die meisten können bereits 1-2 Tage nach der Operation wieder selbstständig gehen und stehen und auch ihr Kind versorgen. Die Aufenthaltsdauer in der Klinik beträgt normalerweise 5 Tage bis 1 Woche, nicht länger als bei einer vaginalen Geburt.
Es gibt keinerlei nachgewiesene negative Auswirkung auf das Neugeborene. Kaiserschnittkinder sind, da sie sich die Strapazen im Geburtskanal ersparen, zumeist „faltenfrei", rosig - und nicht rot vor Anstrengung - und haben meistens einen schönen, wohlgeformten Kopf. Auch für die Mutter und ihre neue Rolle bedeutet ein Kaiserschnitt keinen Nachteil: das Stillen funktioniert wie bei einer vaginalen Entbindung, einzig und allein beim Herausheben und Wickeln werden Sie die ersten beiden Tage Hilfe benötigen. Einmal Kaiserschnitt heißt übrigens nicht immer Kaiserschnitt: Es spricht in den meisten Fällen nichts dagegen, nachfolgende Kinder „normal" zu entbinden. Aber auch einer „Kaiserschnittgroßfamilie" stünde theoretisch nichts im Wege: 3-4 aufeinander folgender Kaiserschnittgeburten, manchmal mit kleineren Einschränkungen auch mehr, sind vom Körper bei gutem Allgemeinzustand durchaus auszuhalten.

Stammzellen aus der Nabelschnur?
In den letzten paar Jahren sind mehrere Firmen entstanden, die mit der Aufbewahrung der Stammzellen aus dem Nabelschnurblut Geschäft machen. Worum geht es dabei: Im Rahmen einer Geburt, sowohl vaginal als auch operativ, besteht in den meisten Fällen - abgesehen von einer akuten Notfallsituation, in der jede Sekunde entscheidend ist - die Möglichkeit, aus der Nabelschnur Blut zu entnehmen und in einem Behälter zu sammeln. Einige private Firmen bieten an, dieses Blut einzufrieren und in einer Blutbank über Jahre hinweg zu lagern. Im Falle einer späteren, schweren Erkrankung des Kindes, wie z.B. Leukämie, soll mit den eigenen Stammzellen geholfen werden.
Tatsache ist, dass in der modernen Medizin in Sachen Stammzellen unglaublich viel ge- und erforscht wird und dass diese Art der Therapie eines der entscheidenden Themen der Zukunft sein wird. Zum momentanen Zeitpunkt kann jedoch seriöser-weise überhaupt nicht gesagt werden, ob eine tatsächliche Chance auf Heilung auch wirklich besteht.
Das ist auch der Grund dafür, warum sich die Geister in der Frage, ob eine Einlagerung des Nabelschnurblutes sinnvoll ist oder nicht, auch scheiden, zumal die ganze Geschichte relativ kostspielig ist: einmalig für das Abnahmeset, den Transport und die ersten fünf Jahre Lagerung 1.460,- Euro, später dann für alle weiteren 5 Jahre je 110,- Euro.
Gegner dieser privaten Firmen meinen, das Geschäft sei nicht seriös, weil nicht restlos erforscht, zu teuer und wecke falsche Hoffnungen. Die Anhänger meinen wiederum, wenn bei einer schweren Erkrankung auch nur ein Funken Hoffnung bestehe, so sollte das auch die Investition wert sein. Außerdem entwickle sich die Medizin permanent weiter und das Blut sei für diese Fälle konserviert. Vor allem biete sich die Chance, aus der Nabelschnur Blut zu gewinnen, nur ein einziges Mal im Leben!
Die Entscheidung liegt ganz bei Ihnen.

 

 

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